Langsam bin ich mit Schreiben sehr hinterher – zu viele Sachen. Und schon ist die Haelfte der Zeit vorbei! Ich werde versuchen ein paar Ereignisse zusammenfassen, aber fuer alles reicht es wohl nicht.
Die Zeit hier ist ein Auf und Ab von atemberaubend schoenen und erschreckenden Anblicken. Die Strassenkinder- und Hunde brechen mir regelmaessig das Herz und doch gibt es so viel Schoenheit hier. Natuerlich wurden auch die Kuehe waehrend des Tiharfestes verehrt:

Die Begegnungen mit Nepalesen sind stets sehr unterschiedlich – auch wenn die positiven Ueberwiegen. Vielleicht sind es die “Kuschelbusfahrten” bei denen der Nachbar einem fast auf dem Schoss sitzt und die Minibusse mindestens doppelt belegt sind (Wer denkt, dass es in Minibussen keine Stehplaetze gibt, ist noch nicht von einem Conducter in Kathmandu in einen solchen Bus geschubst worden.), welche die Nepalesen so freundlich machen?
Gerade in Anlaufstellen fuer Touristen wird man sofort von einem findigen “Guide” belagert, der einem gegen Rupien die Welt erklaeren will. Andererseits trifft man auch immer wieder Menschen auf den Strassen und Wegen, die einem einfach nur helfen wollen, ein Laecheln schenken oder einem ihre Welt zeigen wollen.
Unser Ausflug ausserhalb von Bhaktapur fuehrte uns ueber Felder, ein Angebot zum Reisweintrinken und die nahe Beobachtung von der harten Erntearbeit gerade der Frauen zu dem kleinen Ort Shipadol. Dort tat sich ein junges Maedchen mit ihrem kleinen Bruder im Schlepptau als Fuehrer hervor und zeigte uns einen schmalen Weg hinauf zu einem “Tempel” – zwei Glocken und ein Betongebaeudeklotz. Das wahre Geschenk war jedoch die absolut atemberaubende Schoenheit des Ausblickes. Unter uns erstreckten sich Felder, Doerfer, Ziegelbrennereien und Leben. Zwei junge Frauen nutzten diesen Ort sozusagen, um ihre Seele ueber die Felder zu schicken: Sie stiegen auf den Rand des Gebaeudes und schickten laute, erfuellte und froehliche Schreie ueber die Landschaft. Zum Abschluss durfte ich noch die wohl schoenste Schaukel der Welt nutzen:

Eine negative Seite durften wir im Immigration Office bei der Verlaengerung unserer Visa kennen lernen – denn die einfache Regelung, dass man einfach 2-3 Dollar fuer jeden Tag zahlt, wie es die Reisefuehrer noch darstellen, gilt nicht mehr. Alles weitere findet ihr in ausfuehrlicher Form bei Corny.
In Kirtipur hatte ich eine sehr witzige Begegnung mit einem jungen Nepalesen, der mich bei einer Tempelanlage ansprach und sehr undeutliches und umstaendliches Englisch sprach. Nachdem ich erst beim dritten Mal verstand, dass er etwas wie “may i knew your nationality” gesagt hatte, konnte ich “Germany” antworten. Daraufhin meinte er frech, dass das also der Grund sei warum ich mich so schwer tue sein Englisch zu verstehen… Aehm ja, nun…. nicht ganz….
Besonders bizarr war ein Ausflug mit den anderen Praktikanten in ein neues Einkaufszentrum in der Naehe, um ein 8D Kino zu besuchen. Jaa, 8 D!

Waehrend der zwar witzigen (Bewegung, Kitzeleffekt und Wasser), aber auch enttaeuschenden Vorstellung war mal wieder Stromausfall. Also hingen wir in dem kleinen Raum fest und warteten darauf, dass es weiterging. Durch die offene Tuer sahen wir, dass das gesamte Kaufhaus dunkel war. Hier sitzen wir also in einem 8 D Kino in Kathmandu. Allein die Existenz eines solchen Kinos in Mitten von Chaos, Staub und Stromausfaellen ist seltsam. Wie gross ist der Unterschied zwischen den blank polierten Hallen der Verkaufsraeume und der Welt draussen wo Kuehe Abfall fressen und doch verehrt werden? Oder ist es alles das selbe? Alles Mensch. Gegensaetze ueber Gegensaetze. Das ist der Mensch. Das ist die Welt.
Dennoch fuellt sich mein Herz auch mit Hoffnung, wenn ich hier bin. Der Anblick der Bodhnath Stupa etwas ausserhalb von Kathmandu bei Nacht. Kerzen werden rundherum angezuendet, tibetische Frauen und buddhistische Moenche laufen im Uhrzeigersinn um die Stupa. Die strahlenden Augen der Stupa blicken ueber alles. Ich blieb am Ausgang stehen und drehte mich noch einmal um, um den Anblick zu geniessen. Ein Schauer ging durch mich und Traenen stiegen mir in die Augen. Die Menschen erschaffen doch auch wunderschoenes, schiesst es durch meinen Kopf. Der Gedanke umschlingt und waermt mich.

Weitere Eindrueck um die Stupa herum:


Es ist wohl das gaengiste Klischee, dass Nepal ein Land der Gegensaetze ist. Kein Wunder, dass so viele Leute diese Metapher verwenden, denn quasi an jeder Ecke springt es einen an.
Ein Teil dieser Gegensaetzlichkeit zeigt sich auch im Zeitgefuehl der Menschen von Kathmandu (ich weiss nicht, ob das ueberall so ist). Einerseits geht alles einen langsameren Gang und Tee trinken ist wichtiger als schnelle Aktionen. Andererseits erwarten viele auch, dass man – wenn sie dann Zeit haben und die richtigen Leute oder der richtige Zeitpunkt gekommen ist – quasi auf der Stelle dort hingebeamt wird. Ein sehr seltsames Gegensatzpaar dessen Erwartungen nur schwer zu erfuellen sind.
Ein anderes zeigte sich mir in Gestalt eines coolen buddhistischen Moenches, der mit Zahnstocher im Mund um die Bodhnath Stupa herumschlenderte und Fotos mit seiner Handykamera machte.

Ansonsten ist das Haus inzwischen ziemlich leer geworden, da Simon und Bailey auf dem Weg zu ihrem Trek sind, Lauren beim Yoga und Vicki wieder zu Hause.
For two weeks we had our own little family here in Kathmandu – sharing water cut downs, a lot of laughter and unfortunately sickness. But we also had wonderful sizzling brownies, a lot of “good boy!!”, Jumping Pictures and a very nice visit to a japanese bath.

PS: Entschuldigt die mieserable Anordnung der Fotos. Ich bin schon froh, dass ich sie ueberhaupt hochgeladen bekomme.