Was nehme ich mit?

November 29, 2010

Eine Ziege auf dem Dach eines Busses. Ein Polizeiwagen mit der Armed Police besetzt und vorne auf dem Schoß des einen Mannes ein kleiner Junge. Die warme Hand und das erstaunliche Gesicht der alten Frau im zum Bersten vollen Bus nach Nagarkot. Muskans strahlendes Lächeln, deren verschlafenes Gesicht und die Küsschen auf die Wange mir beim Abschied das Herz schmerzen ließen. Unsere westlichen Prägungen. Unsere Bequemlichkeiten. Ein toter Hund, kalt erstarrt, von Fliegen umschwirrt, mitten im Getümmel. Tihar. Unglaublichen Respekt vor den Menschen, die sich trotz Bedrohung ihres Lebens für ihre Rechte eingesetzt haben und unermüdlich weiter machen. Das Lächeln der Menschen. Der Anblick des Himalayas. Die Busfahrten – gequetscht und holprig und staubig und schön. Die verzerrten und -zehrten Gesichter von Kleber schnüffelnden Kindern. Om mani padme hum.

Und die Gesichter der Affen.

(Diese Herren standen mir an unserem letzten Tag in Kathmandu als Model zur Verfügung)

Diese Frage hat uns Vicki gestellt. Und noch eine zweite, die ich nicht beantworten kann: Was hast du da gelassen?

Ich sitze im Zug von Frankfurt nach Erlangen. Alles so sauber. So wenig Müll hier. Und so wenig Menschen. Und wenn dann fast alle so grau. Schnee. Der Winter hat uns eingefangen.

Stacheldraht

November 26, 2010

Ob zum Wäsche aufhängen, als Wegbegrenzung oder wirklich als Abschreckung für muntere Kletterer überall in dieser Stadt ist Stacheldraht. Ist er billiger als anderes Material? Oder einfach nur schick?

Heute war ich zu Besuch bei der National Human Rights Commission und hatte ein sehr nettes und interessantes Gespräch mit einer Mitarbeiterin im Bereich Advocacy.

Auf dem Rückkehr bin in dann wohl an einer Demonstration der Maoisten vorbeigelaufen. Das erste Mal, dass sie mir hier richtig aufgefallen sind. Viele Frauen und Kinder. – Ja, sehr schreibfaul heute.

Tränen-Berge

November 19, 2010

Von der untergehenden Sonne erstrahlte Berge. Strahlende Gipfel. Ich weiß jetzt was Schriftsteller damit meinen, wenn sie davon schreiben, dass der Atem stockt angesichts – ja wie soll man es anders sagen – wortwörtlich atemberaubender Anblicke. Ich stehe da. Nein, ich stehe nicht. Ich tauche ein. Mein Atem stockt. Mein Körper zittert. Hysterisches Lachen schüttelt mich. Schüttelt Tränen heraus. Solche Schönheit will gepriesen werden.

Ich verstehe, warum die Hindus auch Berge als heilig verehren – wer würde das nicht bei diesem Anblick. Die Sonne bestreicht die Gipfel mit rosa Farbe – wie eine warme, gütige Hindu-Frau, die dem Berg eine bunte Blumenkette umhängt, um ihn zu ehren und ihm zu schmeicheln.

All das sind Gedanken danach – bei Kerzenschein, Masala Tea, herauskriechenden Sternen, Ruhe, frische Luft im Hotel at the End of the Universe – denn währenddessen bleibt kein Platz für Gedanken – nur Gefühl.

Nach Tagen der Krankheit kann ich endlich wieder richtig atmen und endlich wieder essen. Und wir sind angekommen in Nagarkot. Kathmandu entflohen. Alles ist gut.

Fotos und genauere Beschreibungen unserer Hinfahrt findet ihr bei Corny.

Hin und Her

November 13, 2010

Langsam bin ich mit Schreiben sehr hinterher – zu viele Sachen. Und schon ist die Haelfte der Zeit vorbei! Ich werde versuchen ein paar Ereignisse zusammenfassen, aber fuer alles reicht es wohl nicht.

Die Zeit hier ist ein Auf und Ab von atemberaubend schoenen und erschreckenden Anblicken. Die Strassenkinder- und Hunde brechen mir regelmaessig das Herz und doch gibt es so viel Schoenheit hier. Natuerlich wurden auch die Kuehe waehrend des Tiharfestes verehrt:

Die Begegnungen mit Nepalesen sind stets sehr unterschiedlich – auch wenn die positiven Ueberwiegen. Vielleicht sind es die “Kuschelbusfahrten” bei denen der Nachbar einem fast auf dem Schoss sitzt und die Minibusse mindestens doppelt belegt sind (Wer denkt, dass es in Minibussen keine Stehplaetze gibt, ist noch nicht von einem Conducter in Kathmandu in einen solchen Bus geschubst worden.), welche die Nepalesen so freundlich machen? ;-) Gerade in Anlaufstellen fuer Touristen wird man sofort von einem findigen “Guide” belagert, der einem gegen Rupien die Welt erklaeren will. Andererseits trifft man auch immer wieder Menschen auf den Strassen und Wegen, die einem einfach nur helfen wollen, ein Laecheln schenken oder einem ihre Welt zeigen wollen.

Unser Ausflug ausserhalb von Bhaktapur fuehrte uns ueber Felder, ein Angebot zum Reisweintrinken und die nahe Beobachtung von der harten Erntearbeit gerade der Frauen zu dem kleinen Ort Shipadol. Dort tat sich ein junges Maedchen mit ihrem kleinen Bruder im Schlepptau als Fuehrer hervor und zeigte uns einen schmalen Weg hinauf zu einem “Tempel” – zwei Glocken und ein Betongebaeudeklotz. Das wahre Geschenk war jedoch die absolut atemberaubende Schoenheit des Ausblickes. Unter uns erstreckten sich Felder, Doerfer, Ziegelbrennereien und Leben. Zwei junge Frauen nutzten diesen Ort sozusagen, um ihre Seele ueber die Felder zu schicken: Sie stiegen auf den Rand des Gebaeudes und schickten laute, erfuellte und froehliche Schreie ueber die Landschaft. Zum Abschluss durfte ich noch die wohl schoenste Schaukel der Welt nutzen:

Foto von Cornelius Wachinger

Eine negative Seite durften wir im Immigration Office bei der Verlaengerung unserer Visa kennen lernen – denn die einfache Regelung, dass man einfach 2-3 Dollar fuer jeden Tag zahlt, wie es die Reisefuehrer noch darstellen, gilt nicht mehr. Alles weitere findet ihr in ausfuehrlicher Form bei Corny.

In Kirtipur hatte ich eine sehr witzige Begegnung mit einem jungen Nepalesen, der mich bei einer Tempelanlage ansprach und sehr undeutliches und umstaendliches Englisch sprach. Nachdem ich erst beim dritten Mal verstand, dass er etwas wie “may i knew your nationality” gesagt hatte, konnte ich “Germany” antworten. Daraufhin meinte er frech, dass das also der Grund sei warum ich mich so schwer tue sein Englisch zu verstehen… Aehm ja, nun…. nicht ganz….

Besonders bizarr war ein Ausflug mit den anderen Praktikanten in ein neues Einkaufszentrum in der Naehe, um ein 8D Kino zu besuchen. Jaa, 8 D!

Waehrend der zwar witzigen (Bewegung, Kitzeleffekt und Wasser), aber auch enttaeuschenden Vorstellung war mal wieder Stromausfall. Also hingen wir in dem kleinen Raum fest und warteten darauf, dass es weiterging. Durch die offene Tuer sahen wir, dass das gesamte Kaufhaus dunkel war. Hier sitzen wir also in einem 8 D Kino in Kathmandu. Allein die Existenz eines solchen Kinos in Mitten von Chaos, Staub und Stromausfaellen ist seltsam. Wie gross ist der Unterschied zwischen den blank polierten Hallen der Verkaufsraeume und der Welt draussen wo Kuehe Abfall fressen und doch verehrt werden? Oder ist es alles das selbe? Alles Mensch. Gegensaetze ueber Gegensaetze. Das ist der Mensch. Das ist die Welt.

Dennoch fuellt sich mein Herz auch mit Hoffnung, wenn ich hier bin. Der Anblick der Bodhnath Stupa etwas ausserhalb von Kathmandu bei Nacht. Kerzen werden rundherum angezuendet, tibetische Frauen und buddhistische Moenche laufen im Uhrzeigersinn um die Stupa. Die strahlenden Augen der Stupa blicken ueber alles. Ich blieb am Ausgang stehen und drehte mich noch einmal um, um den Anblick zu geniessen. Ein Schauer ging durch mich und Traenen stiegen mir in die Augen. Die Menschen erschaffen doch auch wunderschoenes, schiesst es durch meinen Kopf. Der Gedanke umschlingt und waermt mich.

Weitere Eindrueck um die Stupa herum:

Es ist wohl das gaengiste Klischee, dass Nepal ein Land der Gegensaetze ist. Kein Wunder, dass so viele Leute diese Metapher verwenden, denn quasi an jeder Ecke springt es einen an.

Ein Teil dieser Gegensaetzlichkeit zeigt sich auch im Zeitgefuehl der Menschen von Kathmandu (ich weiss nicht, ob das ueberall so ist). Einerseits geht alles einen langsameren Gang und Tee trinken ist wichtiger als schnelle Aktionen. Andererseits erwarten viele auch, dass man – wenn sie dann Zeit haben und die richtigen Leute oder der richtige Zeitpunkt gekommen ist – quasi auf der Stelle dort hingebeamt wird. Ein sehr seltsames Gegensatzpaar dessen Erwartungen nur schwer zu erfuellen sind.

Ein anderes zeigte sich mir in Gestalt eines coolen buddhistischen Moenches, der mit Zahnstocher im Mund um die Bodhnath Stupa herumschlenderte und Fotos mit seiner Handykamera machte.

Ansonsten ist das Haus inzwischen ziemlich leer geworden, da Simon und Bailey auf dem Weg zu ihrem Trek sind, Lauren beim Yoga und Vicki wieder zu Hause.

For two weeks we had our own little family here in Kathmandu – sharing water cut downs, a lot of laughter and unfortunately sickness. But we also had wonderful sizzling brownies, a lot of “good boy!!”, Jumping Pictures and a very nice visit to a japanese bath.

PS: Entschuldigt die mieserable Anordnung der Fotos. Ich bin schon froh, dass ich sie ueberhaupt hochgeladen bekomme.

Aufatmen

November 8, 2010

Heute sind wir von Bhaktapur aus einfach hinauf und hinaus gewandert. Endlich wieder einatmen.

Brother & Sister

November 7, 2010

Es passiert so viel in kurzer Zeit.

Gestern abend haben wir (alle Praktikanten) mit Shelia, Nardev, Ram, Nasib und Muskan gesungen, getanzt und gefeiert. Wir haben von Shelia sogar Brot und Geld fuer unseren Gesang bekommen, sowie alle anderen Saenger. Ausserdem waren wir auch bei der “Pressekonferenz” von Pink Mountain: he first and only travel and tour agency for/by gay, lesbian, bisexual and transgender (LGBT) in Nepal. Seit 2007 ist Homosexualitaet in Nepal nicht mehr strafbar und es scheint sich einiges zu tun in dem kleinen Land. Es scheint sogar Ansaetze zu geben ein drittes Geschlecht als Auswahlmoeglichkeit beim Pass angeben zu koennen. Mit Tanz und Musik war es eine etwas andere Pressekonferenz. :-) Am Ende waren schliesslich auch Bailey, Lauren und ich auf der Buehne.

Zur Reiseagentur: http://www.pinkyatra.com/

Dabei wurde auch angesprochen, dass man auf Nepals Strassen immer wieder auch Maenner zusammen Haendchen halten sieht und dies ein Zeichen der Freundschaft ist – und bedeutet, dass auch homosexuelle Paare erst einmal nicht auffallen. Wie es mit der realen Diskrimininierung von Nepalesen im Alltag aussieht, ist sicherlich wieder eine andere.

Heute war auf dem Dhurbar Square eine große Prozession… oder jedenfalls unglaublich viele Menschen, die wohl verschiedene Berufsstände oder Vereinigungen repraestentiert haben. Oder einfach nur feiern wollten.

Mich haben vor allem die vielen Gesichter der Frauen fasziniert. Fuer diesen Feiertag sehr traditionell gekleidete, wunderschoen herausgeputzte Meadchen und Frauen und ganz westlich gekleidete junge Frauen. Jede v0n ihnen auf ihre Weise einfach beautiful.  Auch wenn mich die traditionell gekleideten Frauen durch die Ungewohnheit, die Farben und die Faszination des Fremden mehr eingefangen haben.

Ausserdem hatten wir dann eine Bruder und Schwester Zeremonie. Dabei waren Simon und Corny Nasibs Brueder und wir Maedels alle seine Schwestern. Muskan vollfuehrte – mit Hilfe ihrer Mutter – eine Zeremonie und die Jungs bekamen alle ein sehr buntes Tika und Blumenketten – und Geschenke fuer alle. Eine sehr schoene, farbenfrohe Zeremonie.

So Happy Diwali everybody!

Deusi Rey

November 6, 2010

Offer your head

Lichter, Blumen, Musik und Tanz. Kathmandu ist erfüllt davon. Sogar der Verkehr is ausgedünnt und langsamer. Alles bewegt sich in einem bunten Taumel.

Gerade war eine Gruppe Tänzer und Musiker vor dem Haus und spielten eine witzige Mischung aus traditioneller, nepalesischer Musik und seltsamem Techno/HipHop Zeug. Am Anfang und am Ende folgte das Lied, das hier im Moment überall läuft. Ram hat uns heute früh beigebracht wie man nach dem Hauptsänger immer “Deusi Rey” im Chor singt. Gib deinen Kopf. Dies geht auf die Legende eines Königs zurück, der sehr beliebt im Volk war, da er mit den Bürgern alle seine Sachen teilte und jedem einen Wunsch erfüllte. Dies erzürnte einen Gott und er wollte den König testen. So fragte er den König nach drei Wünschen: Der erste gib mir den Himmel. Als zweites gib mir die Erde. Doch was gibt es noch? Wie kann man noch einen Wunsch erfüllen? So gab der König auch seinen Kopf als letztes Zeichen von vollkommener Hingabe und Aufopferung. (Oder so)

Und wir haben natürlich auch Tika bekommen:

Sick and quick

November 4, 2010

Da mich eine bakterielle Infektion der Lungen umgehauen hat, war ich heute mit Lauren in der Traveler’s Clinic. Jetzt bin ich mit Medikamenten versorgt und gebe nur einen kurzen Ueberblick, da ich danach wieder ins Bett gehe.

Gestern waren wir bei einem Sit-in vor dem BICC in Kathmandu. Mitglieder der Zivilgesellschaft haben ihre Forderungen nach einer Verfassung und der Einhaltung von Menschenrechten vorgetragen.

Civil Society Sit-in infront of BICC, Kathmandu

Danach waren wir noch in einem Cafe, dass taube Menschen als Kellner beschaeftigt. Es war sehr interessant zu beobachten wie sie sich unterhalten. Wieder in Deutschland werde ich versuchen wenigstens ein bisschen Zeichensprache zu lernen.

Und hier noch die kleine Muskan, die einfach das suesseste Maedchen ist!

Disco Pogo und Kloster

November 2, 2010

Es ist erst Dienstag. Wow.
Inzwischen ist es schon seltsam in Deutsch zu schreiben, obwohl ich mit Corny spreche. Aber meine Gedanken sind schon durchmischt mit Englisch.
Da ich muede bin und Halsschmerzen habe, wird dies ein kurzer Eintrag.

Am Montag haben wir Manoj von der NFDN wieder getroffen und mit ihm eine sehr interessantes Gespräch zu der Situation von Behinderten in Nepal geführt. Wir werden versuchen in den nächsten Tagen ein paar Menschen zu treffen und außerdem bei Manoj und seiner Frau zu Abend essen.
Den Abend haben wir dann zu Hause ausklingen lassen und Privatdisco veranstaltet… etwas unfreiwillig. Wir und die anderen Praktikanten Bailey, Lauren und Simon hatten unseren Spaß mit flackernden Licht, weil eine Steckdose in Bailey und Laurens Zimmer durch einen Mac gegrillt wurde. Danach begannen plötzlich alle Lichter an zu flackern, wenn jemand etwas an die zweite Steckdose ansteckte – sogar das Licht im Gang. Wuhu. They are really great!
Sehr seltsam war jedoch mal wieder, dass Bild von Außen auf Deutschland – jedenfalls in Bezug auf Musik. Lauren zog dieses Prachtstück heran:

Aber sehr schoen ihre Gesichter zu sehen, als wir ihnen Frauenarzt uebersetzt haben… They are really great!

Heute sind wir dann nach Vajra Yogini, einem sehr schoenen buddhistischen Kloster ungefaehr 25km ausserhalb von Kathmandu gefahren – auch um frische Luft zu schnappen.
Great air, breathtaking view, sweet school children.

Zudem habe ich gelernt, dass ich sehr gerne Nahaufnahmen machen.

Ausserdem haben wir kurz im Garden of Dreams entspannt – ein kleiner Park mitten in Kathmandu am Anfang von Thamel. Fuer 160 Rupien. Es ist sehr seltsam, dass zwar der Laerm der Hupen erhalten bleibt, aber ploetzlich fuehlt sich die Luft besser an und alles wirkt frischer – durch das Gruen und das Wasser.

Auf dem Heimweg ist mir wieder die Reaktion von vor allem jungen nepalesischen Maennern aufgefallen. Wenn man als westliche Frau vorbeilaeuft werden ihre Augen ganz gross und sie gucken erwartungsvoll. Sobald sie dann Corny hinter mir auftauchen sehen, werden sie wieder kleiner und gehen schneller vorbei. Tja, keine potentielle Ehefrau oder aehnliches.

Einfach ein paar Eindruecke:

Und fuer Franzi auch mal ein Blick in unser Zimmer:

Monkeys, Momos and Work

Oktober 31, 2010

Monkeys! Everywhere monkeys!

Nicht nur unzaehlige PKWs, Busse, Motorraeder, Rikschas, Fahrraeder und Hunde bewohnen neben den Nepalesen und Touristen die Stadt sondern auch einige Affen. Scheinbar scheinen sie von buddhistischen Gebaeuden angezogen zu werden, denn da trifft man sie an.

Natuerlich auf dem Monkey Temple “Swayambhunath stupa” – dorthin fuehrte uns die Sightseeing-Tour mit Nardev (Projektkoordinator) und Bailey (Praktikantin aus den USA) unter anderem.  Nach dem Dhurbar Square – den ich sehr interessant fand, aber der mich nicht wirklich einfangen konnte – war der Anstieg auf den Monkey Temple ein atemberaubendes Erlebnis. Mitten aus dem chaotischen Verkehr heraus steigt man den Berg hinauf – falls man es an den geschaeftigen Saddhus vorbeischafft, die einem ungefragt einen roten Punkt auf die Stirn setzen und danach nett aber bestimmt nach 100 Rupien fragen. Wir waren leider noch zu verwirrt und begannen so alle drei den Anstieg mit etwas weniger Geld in der Tasche und hoffentlich ein bisschen mehr Glueck. Die Tempelanlage ist so beeindruckend, da wuerden Worte nur sinnlos erscheinen.

Wir hatten natuerlich vor allem eine Freude daran die Unmengen Affen zu beobachten und sie als Fotomodells zu gewinnen.  Ausserdem konnten wir hier auch unsere erste Portion Momos geniessen – die an deutsche Maultaschen erinnern, aber ganz anders gewuerzt sind.

Nach dem “Touristentag” konnten wir heute dann schon einen kleinen Einblick in unser Praktikum der naechsten vier Wochen gewinnen. Im Anschluss an eine enge, halsbrecherische Busfahrt – ich hoere mich noch letzte Woche sagen “Wir steigen in Nepal in keinen Bus!” – trafen wir Ram, einen Photojournalisten von Nepalnews.com, im Bhrikuti Mandap (eine Art Park, der fuer Ausstellungen hmm na ja sagen wir vorbereitet wird). Dort beginnt unsere erste Aufgabe: eine Photostory ueber die Situation von Menschen mit Behinderung in Nepal. Hierzu besuchten wir die National Federation of the Disabled Nepal (NFDN), um unser Vorhaben vorzubereiten. Morgen geht es dann richtig los.

Waehrend dem Gespraech zeigte sich auch mal wieder der Stand der Dinge in Sachen Geschlechterverhaeltnis: Meinem lieben Cornelius wurde bei den Erzaehlungen immer deutlich in die Augen gesehen und erzaehlt, waehrend ich nur am Rande betrachtet wurde. Tja ja, it is a man’s world.  Mal sehen wie das die naechsten Tage wird.

Danach erkundeten wir auf einem langen Fussmarsch die Stadt: Vom New Palace zum Sundhara-Dharahara Turm, zur New Road (noch mehr Verkehr als sonst schon! uah) und dann ueber Thamel nach Hause. Dabei ist eine Tasche an mir und ein Hemd an Cornelius haengen geblieben – Thamel koennte ich in ein paar Minuten leer kaufen.

Besonders schoen war es jedoch als wir auf unserem Weg um die Ecke bogen und ploetzlich vor einem wunderschoenen Platz vor einem buddhistischen Kloster ankamen.  Hier blieb die Hektik einen Moment lang stehen, war angefuellt von Leben und doch Ruhe und gab einem Kraft fuer den weiteren Weg. Zusaetzlich zu dem wohl suessten kleinen Maedchen, das ich je gesehen habe, dass sich zuerst an Cornelius Hose festgehalten und dann an meinem kleinen Finger. Sie strahlte mit solch einer Ausstrahlung, Waerme und angefuellt mit Glueck zu uns herauf. – Und ohne etwas zu wollen! :)

Ansonsten erleben wir hier den nepalesischen Alltag sehr gut mit: Stromausfaelle, Wasser nur vormittags und abends, heulende Hunde bei Nacht und jede Menge Staub. Zum Glueck liegt unser Haus etwas abseits von der Strasse und in einer guten Wohngegend (die Haeuser sind alle mit einem grossen Zaun und Tor versehen),  so dass bis auf die Hunde kein Laerm zu uns dringt. Seltsamerweise gewoehnt man sich sehr schnell an die Gegebenheiten – auch mal duschen indem man kaltes Wasser aus einer Schale ueber den Koerper kippt. Oder man stellt sich einfach darauf ein. Manchmal habe ich immer noch das Gefuehl gar nicht hier zu sein, sondern durch einen Film zu laufen. Aber der Alltag wird dies auch noch etwas daempfen.

Nach diesem unglaublich langen Tag werde ich mich jetzt (12Uhr nepalesische Zeit) ins Bett legen (da fallen keine gute Idee ist bei den harten Betten).


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